DAV-Unfallstatistik: Boulderer brauchen häufiger Rettungseinsätze

Anfang des Monats hat der DAV die Unfallstatistik des Jahres 2017 für die deutschen Kletterhallen herausgegeben. Eingeflossen sind darin auch die Zahlen des Kletterhallenverbandes Klever, sodass knapp 250 Hallen und damit der größte Teil der deutschen Indoor-Kletteranlagen abgedeckt wurde. Insgesamt fällt die Zahl schwerer Unfälle erfreulich niedrig aus. Mich als Boulderer hat sie dennoch aufhorchen lassen, weil wir überproportional häufig unter den Betroffenen waren.

70 Prozent der Unfälle auf der Matte, 25 am Seil

Klettern und Bouldern sind in der Halle sichere Sportarten. Gerade über der Matte kann mangelnde Erfahrung aber zum Risiko werden. 70 Prozent der Unfälle passierten deshalb im Boulderbereich.

177 Unfälle weist die Statistik für das vergangene Jahr aus. Dabei handelt es sich allerdings nicht um jede Kleinigkeit, sondern nur um Geschehnisse, in deren Folge ein Notarzteinsatz nötig wurde. Insgesamt 124 Mal mussten Rettungskräfte verunfallten Boulderern in den Hallen zu Hilfe kommen. Damit gingen 70 Prozent der Unfälle auf das Konto von Kletterern, die sich in moderaten Höhen bewegten. 25 Prozent passierten beim Seilklettern, 5 Prozent hat der DAV unter Sonstiges aufgeführt.

Immerhin: Auch wenn es sich hier um schwerere Verletzungen wie Bänderrisse oder Knochenbrüche handelte, dürften sich alle verunfallten Boulderer wieder gut erholt haben. Der überwiegende Teil der Verletzungen (87 Prozent) betraf Arme und Beine. Kopf- und Rumpfverletzungen, die gefährlicher werden könnten, spielten jeweils nur in zwei Prozent der Fälle eine Rolle.

Unerfahren und falsche Selbsteinschätzung

Stürze sind die mit großem Abstand häufigste Situation, bei der es im Bouldern zu Verletzungen kam.

Beim Unfallhergang zeichnet sich ein Muster ab. Ganze 104 der Einsätze resultierten aus einem unglücklichen Mattensturz, bei dem die Betroffenen unerwartet aus der Wand fielen und unkontrolliert landeten. Absprünge sorgten wesentlich seltener für Verletzungen und wurden vom DAV gesondert unter Sportverletzungen zusammengefasst. Hier sind 14 Ereignisse registriert. Die hohe Zahl der Verletzungen führen Alpenverein und Klever auf mangelnde Erfahrung zurück. „Unfallprotokolle deuten vermehrt daraufhin, dass viele Verunfallte wenig Erfahrung mit Abspringen und mit kontrolliertem Fallen besitzen.“ Das zeigt sich auch in den Auszügen aus Protokollen, die man am Ende der Auswertung aufführt. Dort heißt es: „Beim Bouldern im Boulderraum stürzte der Kletterer unkontrolliert aus dem Dach und kam unglücklich auf der Matte auf. Kletterer hatte praktisch keine Erfahrung im Bouldern und hat sich überschätzt.“

Sturztraining ein Muss

Am häufigsten dürfte es also Anfänger und Kletterer erwischt haben, die nur selten bouldern und sich ansonsten am Seil austoben. In beiden Fällen wäre die beste Unfallvermeidungsstrategie, sich mit dem richtigen Fallen vertraut zu machen und dieses regelmäßig zu üben. Nur so stehen die Chancen gut, dass auch bei unerwarteten Stürzen, zum Beispiel durch drehende Griffe und Tritte, richtig reagiert werden kann.

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