Gut vorbereitet an den Fels: Das musst du dabei haben

Nach einem langen und recht verregneten Winter treibt es uns in den ersten Frühlingstagen nach draußen. Für viele werden die Terrassen von Cafés und Wiesen der „place to be“, Kletterer zieht es aber noch weiter in die Natur. Abgesehen von einigen unverwüstlichen Outdoor-Enthusiasten, die sich auch von kalten Temperaturen nicht abhalten lassen, dürften die meisten von uns ihren Trainingswinter in der Halle verbracht haben. Bei wärmerem und trockenerem Wetter lockt der Fels wieder stärker. Ärgerlich wird es allerdings, wenn man nach Fahrt und Zustieg feststellt, dass im Kletterrucksack etwas fehlt. Hier ist deshalb meine Liste an Dingen, die unbedingt mit an den Fels müssen. Und warum.

Kletterschuhe

Klarer Fall: Wenn du ohne Kletterschuhe am Fels ankommst, bist du ziemlich aufgeschmissen. Es klingt verrückt, aber ich habe tatsächlich schon erlebt, dass Kletterer dieses essenzielle Zubehör nicht eingepackt haben. Seid ihr am Sandstein unterwegs, mag es auch ohne Schuhe funktionieren. An vielen anderen Gesteinen machst du lieber kehrt und besorgst dir Schuhe.

Wenn du verschiedene Schuhmodelle hast, kannst du auch mehrere mitbringen. Manche Schuhe eignen sich besser für Reibung, andere für kleine Tritte. Bei manchen zieht der Heel-Hook nicht ganz so gut und andere sind perfekt für Toe-Hooks geeignet. Das richtige Modell für den jeweiligen Boulder dabei zu haben, macht deshalb das Leben erheblich leichter.

Chalkbag, gut gefüllt

Wenn es die Gebietsregeln erlauben, darf natürlich auch Chalk nicht fehlen. Es sei denn, du verzichtest ganz bewusst auf dessen Einsatz. Oft geht es tatsächlich auch ohne, manche Routen werden dadurch aber anspruchsvoller. Natürlich ist es eine gute Idee, vor der Abfahrt den Füllstand zu überprüfen. Mit einem komplett leeren Chalkbag anzukommen, kann ärgerlich sein. Allerdings: Besser ein bisschen als gar nichts. Wer eher dazu neigt, zu viel zu chalken, ist mit einem fast leeren Chalkvorrat vermutlich sogar felsschonender unterwegs.

Bürste, am besten ein Satz in verschiedenen Größen

Wo Chalk ist, darf auch eine Bürste nicht fehlen. Getreu dem Motto „Leave no traces“ sollte Chalk nach dem Klettern entfernt werden, so gut es geht. Das betrifft sowohl die Griffe als auch Tickmarks. Natürlich darf auch zwischendurch mal drübergeputzt werden. Das verbessert den Grip, der sonst von Versuch zu Versuch leiden würde. Eine Bürste ist gut, mehrere in verschiedenen Größen sogar noch besser. Wichtig ist aber, dass es sich um Borsten aus Echthaar handelt. Besonders weiches Gestein leidet unter den härteren Kunststoffborsten.

Tape

Tape ist ebenfalls essenziell und kann verhindern, dass der Klettertag vorzeitig endet. Draußen sind die Griffe längst nicht immer ergonomische Handschmeichler. Scharfe Kanten und spitze Oberflächen kosten Haut. Ist die einmal weg, wird das Klettern schmerzhaft. Mit gutem Tape gehen dann aber oft trotzdem noch ein paar Versuche. Wenn du kleinere Wehwehchen an der Kapsel oder den Ringbändern hast, kannst du diese mit einem richtig angelegten Tape-Verband unterstützen und dich so vor einer ausgewachsenen Verletzung schützen.

Tools zum Erwärmen

Verletzungsprävention ist natürlich das A und O. Deshalb muss man sich auch – oder gerade – am Fels gut aufwärmen. In meinem Rucksack habe ich immer einen Stressball, den ich schon auf dem Weg zu den Felsen kneten kann, um die Finger vorzuerwärmen. Ein Theraband macht ebenfalls Sinn, um zum Beispiel die Schultern für die anstehenden Zugbewegungen fit zu machen.

Normalerweise klettere ich mich im Anschluss an leichteren Bouldern warm. Das ist aber nicht überall möglich. Dann wird ein portables Hangboard praktisch, an dem man Finger und Zugmuskeln richtig auf Betriebstemperatur bringen kann.

Kletterführer

Den Kletterführer zu Hause zu lassen, ist ähnlich ärgerlich, wie die Schuhe zu vergessen. In beiden Fällen kann man dann zwar klettern, wenn man passende Felsen findet, ohne Führer wird aber schon das manchmal zur Herausforderung. Zugewucherte Zustiegspfade und versteckte Blöcke – in weniger gut besuchten Gebieten schon der Weg ins Gebiet zur Glückssache.

Ich habe wenigstens einmal einen kompletten Nachmittag damit verbracht, mich durch das Unterholz eines tschechischen Waldes zu kämpfen und Zecken als Zapfstation anzubieten – nur um dann wegen eines aufziehenden Gewitters erfolglos den Rückzug anzutreten. Mittlerweile kann ich darüber lachen, damals waren wir alle aber alles andere als begeistert.

Sicher kann es auch seinen Reiz haben, ein Gebiet frei zu erkunden. Wer das will, kann den Führer aber auch einfach im Rucksack lassen. Ihn zu haben und nicht zu brauchen, ist allemal besser als der umgekehrte Fall.

Regencape

Regen trotz bester Vorhersage – auch das hatte ich schon zur Genüge. Gerade im Frühjahr tun sich die Meteorologen schwer, genau zu berechnen, wann es wo schauert. Von daher gehört ein Regencape meiner Meinung nach in jeden Rucksack. Dünne Regenjacken kosten wenig und wiegen fast nichts, können aber verhindern, dass du klatschnass und frierend in der Pampa stehst, weil du auf die Schnelle keinen Unterschlupf gefunden hast.

Erste-Hilfe-Kit

Beim Bouldern abrutschen, beim Zustieg stolpern oder beim Schließen der Autotür die Finger am falschen Ort haben – passieren kann an einem Klettertag immer etwas. Von daher schadet es nicht, ein Erste-Hilfe-Kit im Rucksack zu haben, um Verletzungen direkt versorgen zu können. Dazu gehört auch eine Zeckenschlinge* oder -karte* und iodhaltiges Desinfektionsmittel. Wie wichtig das sein kann, ist mir kürzlich bei einem Trip nach Fontainebleau bewusst geworden, als ein fremder Hund seinen Ärger an meiner Hose auslassen musste. Leider steckte meine Wade auch noch in besagter Hose.

Wasser

Zum Trinken, zum Händewaschen – die Notwendigkeit von Wasser muss nicht weiter erklärt werden. Wichtig ist allerdings, es nicht nur im Rucksack dabei zu haben, sondern tatsächlich auch regelmäßig zu trinken. Ich vergesse im Eifer des Gefechts selbst gern, ausreichend Flüssigkeit nachzuschütten. Der Leistung ist das wenig zuträglich.

Essen

Gleiches gilt für Essen. Wer nicht isst, hat irgendwann für die Muskeln keinen Nachschub mehr. Und ohne Treibstoff nimmt die Qualität der Versuche rapide ab. Ich persönlich nehme am Fels keine großen Mahlzeiten zu mir, weil sie träge machen. Wenig, aber häufig, heißt die Devise. Hier ein Apfel oder eine Banane, dort ein Brötchen und ein paar Kekse halten den Körper länger leistungsbereit.

Nageletui

Mit den Fingernägeln über den Fels zu kratzen oder wegen drückender Zehnägel ständig aus dem Schuh zu müssen, ist nervig. Schon allein deshalb ist ein griffbereites Nageletui nützlich. Hornhautfeilen, Nagelknipser und Schere kannst du aber auch verwenden, um deine Haut in Schuss zu halten oder widerspenstiges Tape zu teilen.

SaveBouldering.eu setzt sich für den Erhalt von Klettergebieten ein. Wie gut das klappt, hängt auch von unserem Verhalten ab.

Toilettenpapier

Es gibt sicher bessere Orte für einen Toilettengang als das Klettergebiet. Trotzdem lässt es sich nicht immer vermeiden, dass sich die Natur meldet. Glück hat, wer gut vorbereitet ist, und eine Rolle Toilettenpapier dabei hat, um nicht auf das letzte Taschentuch oder Laub zurückgreifen zu müssen.

Toilettenpapier kann aber noch anderen Zwecken dienen. Zum Beispiel lassen sich damit Griffe trocken legen, die nach dem letzten Regen oder der Nacht noch etwas Restfeuchte haben. Aber Achtung: Das klappt nur bei Gesteinen, die Feuchtigkeit gut vertragen. Granit zum Beispiel wird nur oberflächlich nass. Sandstein hingegen bindet Wasser, verliert seine Festigkeit und wird brüchig. Das gesamte Wasser herauszuziehen, ist gerade nach einer längeren Regenperiode aussichtslos. Wenn du nicht sicher bist, warte lieber, bis die Felsen vollständig abgetrocknet sind.

Blumenschaufel

Nein, dass du am Fels gärtnerst, wird nicht erwartet. Falls der Toilettengang aber doch einmal unvermeidlich war, ist es gut, die Hinterlassenschaften vergraben zu können. Eine Gärtnerschaufel braucht kaum Platz und macht es einfach, ein kleines Loch auszuheben und anschließend wieder zuzudecken. Und falls Kinder dabei sind und der Boden es erlaubt, taugt so eine Schaufel auch zum Buddeln. Die Kleinen haben ihren Spaß und die Eltern mehr Zeit für den Fels. Win-Win.

Müllbeutel

Der bereits erwähnte Leitsatz „Leave no traces“ geht natürlich über das Chalk an den Felsen hinaus. Auch Müll hat in der Natur nichts verloren und muss nach dem Klettertag im passenden Müllcontainer entsorgt werden. Um dir das zu erleichtern, solltest du immer Müllbeutel in der Tasche haben. Selbst biologisch Abbaubares wie Apfelreste oder Bananenschalen dürfen nicht liegen bleiben. Sie brauchen unter Umständen Monate, bis sie sich komplett zersetzt haben. Lässt jeder seinen abgeknabberten Apfel liegen, verwandeln sich gut besuchte Gebiete schnell in Biomüllhalden.

Im besten Fall nimmst du aber nicht nur deinen eigenen Müll mit, sondern sammelst auch ein, was andere möglicherweise hinterlassen haben. Macht das jeder, bleiben Klettergebiete ansehnlich. Das macht den Besuch angenehmer und bietet Kritikern des Klettersports weniger Angriffsfläche.

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