Boulderwissen: Wie geht ein korrekter Start?

Beim Einstieg in einen Boulder kann es schon mal zu Verwirrungen kommen – auch deshalb, weil unterschiedliche Meinungen darüber kursieren, was eigentlich ein legitimer Start ist. Dazu kommt, dass die modernen Probleme in den Hallen längst nicht immer mit einem einfachen Steh- oder Sitzstart beginnen. Wenn ein Start angelaufen oder angesprungen werden muss, kann das bei neuen Boulderern wie alten Hasen für Verwunderung sorgen. Ganz so kompliziert ist es dann aber doch nicht.

Korrekte Starts in der Halle und im Wettkampf

Gerade in der Halle ist es eigentlich ganz einfach: In der Mehrzahl der kommerziellen Bouldertempel verraten Schilder, wo sich die Startgriffe befinden. Manchmal gibt es zusätzliche Informationen, beispielsweise ob im Stehen oder im Sitzen begonnen werden soll. Sieht man davon ab, gilt: Bevor man den ersten Zug macht, müssen beide Patscher auf den gekennzeichneten Griffen liegen.

Im Wettkampf geht es manchmal noch strenger zu. Während offene Boulderwettkämpfe zumindest in der Qualifikation normalen Hallenregeln folgen, werden im Finale meist nicht nur Startgriffe, sondern auch -tritte festgelegt. Als korrekt begonnen gilt ein Versuch dann nur, wenn der Kletterer Füße und Hände an den markierten Griffen und Tritten angelegt hat, bevor er oder sie einen weiteren Zug macht. In größeren Wettkämpfen wie den Deutschlandcups des DAV oder internationalen Veranstaltungen des IFSC ist das die Norm.

Draußen bouldern: Der Fels lässt (manchmal) mehr Freiheiten

Etwas komplizierter kann es am Fels werden. Anders als beim Klettern an künstlichen Wänden sind die Linien hier nicht immer völlig klar. Noch dazu hat der Erstbegeher das Recht, den Boulder nach seinen Vorstellungen zu definieren. Gelegentlich kommt es deshalb vor, dass Teile des Felses bei der Begehung tabu sind, beispielsweise die Kante eines Blocks oder ein Griff. Beim Start muss so etwas natürlich berücksichtigt werden. Die entsprechenden Informationen bekommt man vom Begeher oder findet sie im Führer, sofern der Autor daran gedacht hat, sie dort aufzunehmen.

Mit solchen oder ähnlichen Markierungen werden Starts am Fels gekennzeichnet: links ein definierter Startgriff, in der Mitte ein Steh- und rechts ein Sitzstart.

Klar wird die Sache, wenn Markierungen an den Startgriffen angebracht wurden. Normalerweise handelt es sich um kleine Punkte, die anzeigen, wo die Hände und manchmal auch die Füße platziert werden sollen, bevor es losgeht. Das ist aber die Ausnahme. Gibt es überhaupt eine Kennzeichnung der Linie, handelt es sich meist nur um einen kleinen Pfeil, der den etwaigen Linienverlauf anzeigt und Auskunft über Steh- oder Sitzstart gibt. Dazu hat es sich eingebürgert, am Fuß des Pfeils für Sitzstarts einen zusätzlichen Querbalken zu zeichnen. Gibt es keine weiteren Markierungen, darf alles unterhalb dieses Pfeils verwendet werden. Bei Stehstarts hat man für gewöhnlich ebenfalls die freie Wahl. Reicht man vom Boden aus heran, kann es auch gegriffen werden.

Was bei regelkonformen Boulderstarts geht und was nicht

Was in der Theorie einfach klingt, kann in der Praxis schon mal für Diskussionen sorgen. Ein typisches Beispiel sind dynamische Starts wie Anläufer: Weil draußen – sofern es keine klarere Definition gibt – alles gegriffen und getreten werden darf, was sich unterhalb des Startpfeils befindet, hört man immer wieder, auch in der Halle könne alles unter den Startgriffen verwendet werden. So kommt es dann, dass manche Boulderer sich über Tritte, Elemente oder Wandstrukturen zu den Startgriffen vorarbeiten, ohne den eigentlich gedachten dynamischen Start zu machen. Geklettert sind sie dann auch, aber nicht das vom Schrauber definierte Problem. Der hat die Startgriffe schließlich nicht als solche definiert, damit die Kletterer am Ende alles andere greifen.


Sie macht es richtig. Bei Anläufern muss der Startgriff angesprungen werden, wenn man ihn nicht erreicht, ohne Wandelemente zu stützen oder zu greifen. Auch der Tritt rechts im Bild ist als Starthilfe tabu.

In der Halle markieren Startzettel, wo die Hände beim Einstieg hingehören.

Unklarheit herrscht manchmal auch darüber, ob es okay ist, die Startgriffe in der Hand zu halten, einen Fuß an die Wand zu bringen, sich mit dem anderen von der Matte abzustoßen und den Schwung direkt zum Weitergreifen zu nutzen. Gern genutzt wird diese Art des Einstiegs, wenn man Probleme hat, einen oder beide Startgriffe sicher zu halten und alle vier Gliedmaße an die Wand zu bringen. Solltest du ebenfalls auf diese Technik zurückgreifen, muss ich dich enttäuschen. Auch das wird als falscher Start angesehen und würde beispielsweise im Wettkampf zum Abbruch des Versuchs durch die Schiedsrichter führen.

Mehr Spielraum hat man bei der Frage, ob die Hände tatsächlich sofort beide an den Startgriffen sein müssen, sobald die Füße den Boden verlassen haben. Das ist nämlich nicht zwingend der Fall. Handelt es sich beispielsweise um einen dynamischen Start, bei dem sich der Kletterer mit Schwung vom Boden abstößt und anschließend auf einem Volumen balanciert, genügt es auch, die Hände erst an die Startgriffe zu nehmen, wenn man bereits auf dem Tritt steht. Voraussetzung ist natürlich, dass zuvor nichts anderes gegriffen oder zum Abstützen verwendet wurde.

Was der organisierte Klettersport sagt…

Kurz und bündig hält es der DAV in seinem Regelwerk:

Der Start

  • 7.9.1 Ein Versuch wird als begonnen angesehen, wenn jeder Teil des Körpers eines Wettkämpfers den Boden verlassen hat.
  • 7.9.2 Nach Verlassen des Bodens müssen die Wettkämpfer die gemäss Artikel 7.2.5 markierte Startposition einnehmen, bevor sie eine weitere Kletterbewegung machen.
  • 7.9.3 Wettkämpfern, die die Startgriffe nicht vom Boden aus erreichen können, ist es erlaubt, den Boulder mit einem Sprung an die Startgriffe zu starten.

…und warum du dich daran nur unter bestimmten Bedingungen halten musst.

Grundsätzlich ist es natürlich deinen Kletterkollegen und dir überlassen, darüber zu entscheiden, wie ihr einen Boulder lösen wollt. Steht der Spaß an der Bewegung in der Vertikalen im Vordergrund, ist es an dir, zu entscheiden, was okay ist und was nicht. Geht es jedoch darum, sich mit anderen zu vergleichen, klappt das nur, wenn alle sich an die gleichen Regeln halten. Soll heißen: Willst du einen Boulder auf deine Tickliste setzen, musst du dich an die Definition des Schraubers oder Erstbegehers halten. Genauso sieht es in Wettkämpfen aus. Ansonsten ist die Wand ein Spielplatz, auf dem du klettertechnisch tun und lassen kannst, was dir gefällt.