Abnehmen durchs Bouldern? Das solltest du wissen

Wenn es um Spitzenleistungen geht, spielt beim Klettern das Körpergewicht immer eine maßgebliche Rolle. Oder besser gesagt: das Verhältnis zwischen Kraft und Körpergewicht. Manche Athleten versuchen deshalb, die Zahl auf der Waage gering zu halten, um schwerer bouldern zu können. Es geht aber auch umgekehrt. Wer ein paar überschüssige Pfunde loswerden will, möchte das Bouldern vielleicht als Weg nutzen, um abzunehmen. Damit das gut klappt, müssen ein paar Dinge beachtet werden.

Klettern gehen kann fast jeder

Klar sollte erst einmal sein, dass klettern und Übergewicht sich nicht ausschließen – auch dann nicht, wenn man über der Matte, statt am Seil turnt. Weil ein höheres Gewicht bei unkontrollierten Stürzen ein höheres Verletzungsrisiko mit sich bringt, sollte man allerdings mit Bedacht an die Sache herangehen. Bei besonders hohem Übergewicht ist es möglicherweise besser, den Sport erst einmal am Seil zu probieren und ein Gefühl für die Bewegungen zu entwickeln. Sich ins Seil setzen zu können, wann immer es nicht weiter geht, ist dann sicherer, als aus zwei oder drei Metern Höhe auf die Matte zu fallen. Geht es anschließend an die Boulderwand, muss außerdem die korrekte Technik für Absprünge erlernt werden – aber das gilt für alle, die sich am Bouldern versuchen wollen.

Was Bouldern anderen Sportarten voraushat

Wenn das alles kein Hindernis darstellt und die Begeisterung für die Kletterei in moderater Höhe geweckt ist, kann die Bewegung in der Vertikalen zu einer effizienten Fitnesseinheit werden. Bouldern ist bereits in niedrigen Schwierigkeitsgraden ein kraftlastiger Sport und damit optimal, um die Muskulatur aufzubauen. Weil diese zu den größten Energiefressern im Körper gehört und mehr Muskelmasse selbst in Ruhe mehr Kalorien verbraucht, unterstützt das Bouldern den Abnehmwunsch gleich doppelt: einmal durch den Energiebedarf während des Trainings und zum anderen durch den erhöhten Grundumsatz. Dabei zeigt sich die Belastung vielseitiger, als es bei anderen beliebten Abnehmsportarten der Fall ist. Wer joggen geht oder sich aufs Fahrrad setzt, trainiert vor allem die Beinmuskulatur, beim Bouldern sind Ober- und Unterkörper gefragt. In welcher Intensität, hängt von der Wandneigung ab. Je steiler, desto mehr müssen Arme, Rücken und Rumpf arbeiten, während viele Plattenboulder durchaus als Bein-Workout durchgehen können. Abwechslung ist hier Trumpf.

Pausen sind wichtig, die Matte lädt aber dazu ein, mehr Zeit als nötig abseits der Wand zu verbringen. Besonders, wenn man mit den Kletterkollegen über die Probleme fachsimpelt.

Die soziale Falle

Wie effektiv sich der Versuch gestaltet, durchs Bouldern abzunehmen, hat allerdings viel mit dem eigenen Verhalten zu tun. Weil der Sport eine sehr soziale und kommunikative Angelegenheit ist, besteht das Risiko, sich auf der Matte festzuquatschen. Das sollte man vermeiden. Wer etwas erreichen will, egal ob es darum geht, schwerer zu klettern oder eben ein paar Pfunde loszuwerden, muss die Zeit effektiv nutzen. Gelegenheit für ausgiebige Gespräche gibt es meist auch nach der Trainingseinheit noch. Pausen sind natürlich wichtig, sitzt man zwischen den Versuchen an einem Projekt mehr als fünf Minuten herum, läuft aber definitiv etwas falsch.

Generell würde ich das Projektieren hinten anstellen, wenn es das Ziel ist, Gewicht zu verlieren. Erfolg versprechender ist es, viele Boulder in einem Schwierigkeitsgrad zu klettern, der fordernd, aber nicht am persönlichen Limit liegt. Zehn mittelschwere Routen mit unterschiedlichem Charakter geklettert zu haben, bringt mehr, als die gesamte Zeit an einem Projekt mit fiesen Minileisten zu verbringen, das vor allem die Finger beansprucht.

Neigt sich das Training dem Ende zu, lässt sich außerdem eine kurze Cardio-Einheit realisieren. Dabei versucht man zum Beispiel, möglichst viele der leichtesten Boulder in der Halle zu absolvieren, ohne dazwischen Pausen einzulegen. Das bringt den Kreislauf noch einmal richtig in Schwung.

Bouldern kann nur ein Teil des Erfolgsrezepts sein

Klar sollte aber auch sein: Wenn es ums Abnehmen geht, ist Bouldern wie jeder andere Sport kein Wundermittel. Die Ernährung darf bei diesem Thema nie aus dem Blick geraten. Keinesfalls sollte man in die Falle tappen, sich für die Anstrengungen mit einer üppigeren Mahlzeit zu belohnen. Gehen mehr Kalorien rein als für das Training aufgewendet wurden, hilft aller Sport der Welt nicht, das eigene Gewichtsziel zu erreichen. Der Weg dorthin startet für gewöhnlich mit der Anpassung der Essgewohnheiten. Ich persönlich würde hier auf eine niedrigkalorische Ernährung mit einem hohen Anteil Obst und rohem Gemüse setzen. Allerdings führen viele Wege zum Ziel. Man muss lediglich denjenigen finden, der auch langfristig zu den eigenen Bedürfnissen passt. Trenddiäten, die den Verzicht auf bestimmte Lebensmittel oder Makronährstoffe predigen, erfüllen dieses Kriterium meist nicht.