Hinter den Kulissen: Wie Boulder geschraubt werden

Wie wird man eigentlich Boulderschrauber? Kann man eine Ausbildung machen? Und gibt es da Vorlagen, an die man sich hält? Oder denkt man sich das einfach so aus? – Diese und ähnliche Fragen begegnen mir immer wieder. Sei es von Teilnehmern meiner Kurse, Kunden in der Kletterhalle oder meinen Zuschauern auf Youtube. Um Antworten auf diese Fragen zu finden, habe ich mir bei der letzten Umschraubaktion im Boulderbereich meiner Heimathalle drei Kollegen geschnappt und sie Rede und Antwort stehen lassen.

Kreativarbeit mit Körpereinsatz

Herausgekommen ist ein Video, das Einblicke in den Schraubprozess gibt, also zum Beispiel verrät, warum Volumen immer schon zum Anfang des Umschraubens gesetzt werden, aber auch warum Routenbauer gern einen Teppich unter den Füßen haben. Thema ist des Weiteren, wie meine Kollegen Sindy, Dave und Daniel zum Schrauben gekommen sind, wie sie an einen Schraubtag herangehen und was ein Boulder bieten muss, um ihnen Spaß zu machen.

Boulder zu schrauben ist Handwerk und Kunst zugleich. Die Antworten aller im Video Beteiligten verraten, dass es den manchmal erwarteten Plan nicht gibt, nach denen Wände neu bestückt werden. Vielmehr liegt es in der Verantwortung der Schrauber, unter wechselnden Gegebenheiten spannende Routen zu kreieren. Griffsets und Auswahl an Volumen variieren jedes Mal. Und auch die Wandbeschaffenheit lässt sich dank der Zweitgenannten verändern. Dadurch ergibt sich bei jedem Umschrauben eine neue Herausforderung. Kreativität macht jedoch nur einen Teil der Arbeit aus. Genauso wichtig ist es, bestimmte (Sicherheits)Standards einzuhalten, um eine für Kunden und Hallenbetreiber gleichermaßen befriedigende Arbeit abzuliefern.

Was im Video nicht erwähnt wird, aber sicher für den einen oder anderen interessant ist: Keiner von uns lebt allein vom Schrauben. Auch Daniel nicht, der als einziger eine Ausbildung vom DAV besitzt und seine Dienste deutschlandweit anbietet. Mit dieser Arbeit den kompletten Lebensunterhalt zu bestreiten, ist trotz des Booms an Kletter- und Boulderhallen kaum einem Routenbauer möglich. So bleibt die Hauptmotivation in den meisten Fällen vor allem der Spaß daran, anderen Kletterern interessante Bewegungsprobleme an der Wand zu hinterlassen.