Training zu hause: das Griffbrett/Campusboard Marke Eigenbau

Wer schon einmal darüber nachgedacht hat, ein paar Fitnessutensilien für die Wohnung anzuschaffen, kennt das Problem vermutlich: Wohin mit der Klimmzugstange oder dem Griffbrett? Da wird klopfend die Wände abgelaufen, um herauszufinden, wo solides Mauerwerk und Gipskarton sich trennen. Läuft es blöd, findet sich kein geeigneter Platz. Weil das auch bei mir der Fall war, habe ich mich entschieden, für ein paar Euro Holz zu kaufen, die Stichsäge und Bohrmaschine in die Hand zu nehmen und mir eine DIY-Lösung zu bauen. Herausgekommen ist ein kleines, freistehendes Campusboard – perfekt für Wohnungen, in denen man nicht mehr als Bilder an die Wand hängen kann.

Das Campusboard fürs Wohnzimmer

Natürlich ist meine Lösung nicht ganz so platzsparend wie beispielsweise ein Griffbrett über dem Türrahmen oder ein einfaches Türreck, dafür erfüllt es mehr Funktionen. Es ist Klimmzugstange, Griffbrett und – wie eingangs erwähnt – Campusboard – in einem. Und noch dazu neigungsverstellbar. Damit das möglich wird, braucht das Board eine breite Basis. Bei meinem Bau stehen die Füße 1,50 m in den Raum hinein. Wird nicht trainiert, können natürlich problemlos Dinge unter dem Board verstaut werden, wenn der Platz knapp und dir die Herumräumerei nicht zu viel ist. Meine Konstruktion ließe sich bis etwa 35 Grad neigen. Wer es weniger steil möchte, kann die Füße vermutlich auch etwas kürzen, ohne Gefahr zu laufen, beim Training umzukippen. Die Höhe liegt bei 2,30 m und damit knapp unter Deckenhöhe unserer Wohnung.

Um das Gewicht gering zu halten und trotzdem passable Stabilität zu bekommen, habe ich für das Gestell 7×4 cm breite Balken verwendet, wie man sie in jedem Baumarkt bekommt. Das hat sich auch bei dynamischen Campuszügen von den unteren zur oberen Leistenreihe bewährt. Als Schwachstelle sehe ich da eher die OSB-Platte (60 cm hoch, 90 cm breit, 1,2 cm tief ), auf die die Griffleisten montiert sind.

Das Baumaterial im Überblick:

  • 3 Kanthölzer 4×7 cm mit einer Länge von 3 m
  • 12 mm OSB-Platte oder stärker / alternativ Multiplex
  • 7×2.5 cm Brett
  • 12 M12-Maschinenschrauben mit 10 cm Länge
  • passende Unterlegscheiben und Muttern
  • Holzschrauben mit circa 6 cm Länge
  • Dachlatten für die Griffleisten, Brett als Sloper für das Kopfende
  • eventuell Dachlatte für Konterleisten auf der Rückseite
  • Gummiband
  • Pappkarton zum Verkleinern der Grifffläche

Schraubverbindungen als Scharnier

Gehalten wird die Konstruktion von zwei Streben, welche die Füße und die Ständer verbinden. Damit das Gestell kippbar bleibt, habe ich hier auf eine feste Verbindung verzichtet. Stattdessen habe ich aus Stücken eines 7 cm breiten und 2,5 cm dicken Bretts Balkenschuhe für die Enden der Querverstrebungen gebaut. Diese Schuhe sind über zwei M12-Maschinenschrauben mit den Querbalken verschraubt. Eine dritte verbindet sie mit den anderen Balken der Konstruktion, wodurch ein Scharnier entsteht. Am Fuß ist dieses mit einer Mutter gesichert, an den Balken der Kopfplatte ist die Schraube nur eingesteckt, was eine schnelle Änderung der Neigung erlaubt. Dazu habe ich eine Lochreihe in die Balken gebohrt, bei der die Lochabstände jeweils einer Neigungsänderung um 5 Grad entspricht. Einfach, aber praktisch.

Eine Sorte Leisten, ein Brett und etwas Pappe

Die am Board verschraubten Leisten sind ebenfalls Marke Eigenbau: 12 Zentimeter lange Stücke einer 3,5 cm tiefen Dachlatte. Mittlerweile hat sich aber gezeigt, dass sie für Campuszüge gern ein bisschen länger hätten sein dürfen. 3,5 cm Grifffläche klingt erst einmal viel und meine ursprüngliche Idee war, Leisten mit zwei verschiedenen Tiefen anzubringen. Davon bin ich abgekommen. Einerseits sorgt eine höhere Neigung zuverlässig dafür, dass selbst die großen Leisten schwer zu halten werden. Andererseits lässt sich die Grifffläche mit einem simplen Kniff verkleinern: Ich habe mir aus Pappkartons Karten geschnitten, die zwischen die Leisten passen. Gestapelt kann ich aus der 3,5er problemlos eine 2er oder 1er Leiste machen. In Position gehalten werden die Karten von einem dünnen Gummiband. (siehe Video)

Mit der Neigung werden die Leisten zwar zunehmend zu Reibungsgriffen, einen Sloper a la Beastmaker wollte ich aber auch haben. Die Lösung dafür ist ein auf das obere Ende der Ständerbalken aufgeschraubtes Brett, das gleichzeitig den Abschluss bildet und für etwas zusätzliche Stabilität sorgt.

Was man besser machen könnte

Die Stabilität ist auch der Punkt, an dem ich persönlich am ehesten Verbesserungsbedarf sehe. Bei statischen Halteübungen wie Repeatern und eher langsam ausgeführten Bewegungen wie Klimmzügen fällt es kaum auf, beginne ich aber zu hangeln, schwingt das Board ein paar Zentimeter hin und her. Man kann das als zusätzlichen Trainingsreiz ansehen oder als störend empfinden. Beheben ließe es sich vermutlich nahezu vollständig, wenn die Balken zusätzlich verstrebt oder die Kopfplatte nach unten verlängert werden würde. Für weite Campuszüge bieten 60 cm ohnehin etwas wenig Platz. Möglicherweise hilft aber auch schon ein Teppich. In unserer Wohnung steht das Board auf Laminat, was es den Füßen erlaubt, etwas hin und her zu rutschen, und sicher zum Schwanken beiträgt.

Abseits davon bin ich mit dem Experiment DIY-Campusboard bisher recht zufrieden und überlege sogar, das Ganze zu einer ausgewachsenen Systemwand auszubauen. Dafür wäre dann allerdings eine bis zum Boden reichende Verkleidung, etwas dickere Platten (möglichst Multiplex) und ein Unterbau aus Streben zwingend nötig. Das Board müsste außerdem verbreitert werden. Mit einem leichten Trainingsgerät für unter 100 Euro hätte das dann jedoch nicht mehr viel zu tun. Die aktuelle Version ist sogar für wesentlich weniger zu haben.

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