Bergzeit Mad Pad im Test: Gutes Pad für kleines Geld?

Wer am Fels bouldern will, tut gut daran, sich ein Crashpad anzuschaffen. Die mobilen Fallschutzmatten sorgen in der freien Wildbahn für angenehm weiche Landungen, selbst wenn der Boden mit Wurzeln und kleineren Steinen übersät ist. Das hat schon so manchen Boulderer vor blauen Flecken und lädierten Sprunggelenken bewahrt. Aber auch wenn die Anschaffung eines Pads lohnenswert ist, viele werden sich die Investition in Equipment aufgrund der Kosten zwei Mal überlegen – gerade, wenn nicht sicher ist, ob es bei einem kurzen Flirt mit dem Vertikalsport am Fels bleibt. Angebote wie das Bergzeit Mad Pad kommen da wie gerufen, den sie versprechen Sicherheit zu einem erschwinglichen Preis. Hier mein Testbericht zum günstigen Crashpad des Outdoor-Ausstatters.

Zwischen Sundance und Mondo

149 Euro ruft der Online-Shop Bergzeit aktuell für die unter eigener Marke angebotene Bouldermatte auf. Damit gehört das Bergzeit Mad Pad zu den günstigsten Modellen am Markt und ist besonders für Einsteiger interessant, die einen kostengünstigen Einstieg ins Draußenbouldern suchen. Wesentlich billiger sind in der Regel nur Sitzstartpads. Hier verrät allerdings schon der Name, dass es sich streng genommen nicht um vollwertige Crashpads handelt, weil diese lediglich tiefe Starts bequemer machen und „Stürze“ aus einigen Zentimetern Höhe abfedern sollen.

Anders sieht es beim Bergzeit Mad Pad aus. Mit einer Höhe von 12,5 Zentimetern ist es genauso dick wie das Black Diamond Mondo, welches gerade bei Freunden hoher Boulder beliebt ist. Als Highball-tauglich würde ich das Mad Pad trotzdem nicht charakterisieren, auch wenn der Hersteller Mad Rock, mit dem sich Bergzeit zusammengetan hat, das eigene Mad Pad durchaus für diesen Einsatz bewirbt. Bergzeit selbst erhebt diesen Anspruch nicht. Auf Nachfrage sagte man mir, dass das Pad unter anderem aufgrund der Größe dafür ungeeignet ist.

Aufgeklappt kommt das Bergzeit Mad Pad auf eine Kantenlänge von 120 x 91 Zentimeter, polstert also knapp einen Quadratmeter Landezone aus. Damit ist es in etwa gleich auf mit anderen Pads der gleichen Preisklasse wie dem Ocun Sundance, welches ebenfalls für etwa 150 Euro zu haben ist und 120 x 100 x 9 Zentimeter misst. Für viele Blöcke ist das völlig ausreichend, geht es etwas höher hinaus, möchte man beim Fallen oder Abspringen aber nicht zielen müssen. Größere Pads sind zumindest dafür besser geeignet. Wer sich eher an Bouldern mit moderater Höhe bis 3,5 Meter austobt, sollte allerdings keine Probleme bekommen – einen Spotter und gutes Absprunggelände vorausgesetzt.

Einfaches Handling

Trotz des etwas dickeren Aufbaus bleibt das Mad Pad angenehm leicht. Sechs Kilogramm bringt es laut Bergzeit auf die Waage. Weil es mir leichter vorkam, habe ich selbst noch einmal nachgewogen. Überraschenderweise zeigte mir die heimische Waage nur vier Kilo an. Weil es sich um eine alte Personenwaage handelt, würde es mich aber auch nicht wundern, wenn es tatsächlich eher 4,5 Kilo sind. In jedem Fall lässt sich das Pad so angenehm tragen. Dafür sorgt auch ein rucksackartiges Tragesystem mit zwei Schultergurten und einem Brust- und Bauchgurt. Erstere sind gepolstert und lassen sich notfalls auch mit einer Hand verstellen. Das sorgt für Komfort und einfaches Handling.

Drei Verschlüsse halten das Pad zusammen. Gesichert sind sie mit einfach zu lösenden Aluminiumschnallen.

Am Fels angekommen, ist das Bergzeit Mad Pad mit wenigen Handgriffen einsatzbereit. Drei Riemen an Ober-, Unter- und Längsseite halten es im geklappten Zustand zusammen und werden mit Aluminiumschnallen gesichert. Diese lassen sich ohne großes Gefummel lösen. Anschließend muss man das Pad nur noch öffnen und an die richtige Stelle schieben. Praktisch außerdem: Damit man es für kurze Umzüge zu einem anderen Block nicht wieder zusammenschnüren muss, gibt es auf der faltbaren Seite einen Tragegriff, mit dem sich das Pad wie ein Koffer transportieren lässt. Chalkbag und Schuhe muss man dann allerdings in die Hand nehmen, denn das Pad ist in dieser Tragevariante nach unten geöffnet.

Drei Lagen für die weiche Landung

Eine Besonderheit des Bergzeit Mad Pads ist das Dämpfungssystem, weil hier statt zwei drei Schichten Schaumstoff zum Einsatz kommen. Zwei harte Schichten auf der Ober- und Unterseite fassen einen weichen Schaumstoffkern ein. Der Oberseite kommt dabei die Aufgabe zu, die Sturzenergie auf der Oberfläche des Pad zu verteilen und ein tiefes Eintauchen zu verhindern, während der Kern die Energie absorbiert. Die untere Lage schirmt den Fallenden zudem gegen Unebenheiten auf dem Boden ab. Dieses System dürfte der Grund sein, warum Mad Rock dem Mad Pad Highball-Qualitäten zuspricht. Allerdings gibt der Schaumstoff schon beim Laufen auf dem Pad ungewöhnlich stark nach, was neben der Größe ebenfalls gegen diesen Einsatz spricht. Andererseits: Bei Testsprüngen (Fußhöhe etwa zwei Meter) bin ich nie durchgeschlagen, auch nicht als kleine Blöcke unter dem Pad lagen. Diese waren zwar spürbar, schmerzhaft wurden die Landungen dennoch nicht. Das ist nicht perfekt, aber für die meisten Boulder gut genug.

Hart-weich-hart: Mit dieser Schaumstoffkombi soll das Mad Pad auch Stürze aus größeren Höhe sicher dämpfen. Insgesamt wirkt der Schaumstoff dafür aber etwas weich.

Ebenfalls positiv: Dank des dreilagigen Aufbaus spielt es theoretisch keine Rolle, welche Seite des Pads nach oben zeigt. Die Dämpfungseigenschaften sind gleich. In der Praxis wird das allerdings etwas eingeschränkt. Weil die Schultergurte fest vernäht sind, lassen sie sich nicht ohne Weiteres abnehmen. Sie müssen zeitaufwendig am Längenverstellmechanismus geöffnet werden. Am Fels wird man die Trägerseite deshalb meist Richtung Boden drehen. Nur wenn ein größerer Block abgedeckt werden soll und man das Pad deshalb aufklappen muss, wird man nicht um das Auffummeln der Gurte herumkommen. Denn nur so verhindert man, sich bei der Landung in ihnen zu verheddern.

Robust und wasserabweisend

Als Außenmaterial verwendet Mad Rock ein Polyamid-Gewebe. Der Kunststoff gilt als besonders robust und beständig gegen mechanische Belastung. Für Crashpads ist das ideal, da sie im Laufe ihres Lebens starken Beanspruchungen trotzen müssen. Nach meiner Erfahrung mit anderen Pads geben eher die Nähte als der Stoff den Geist auf. Drei Wochen Boulderurlaub in Schweden, wo rauer Granit für einen ehrlichen Härtetest gesorgt hat, konnten dem Mad Pad wenig anhaben. An einer Stelle hat sich das Gewebe ein wenig aufgeraut. Von einem Schaden, der die Haltbarkeit des Pads dauerhaft beeinträchtigt, kann aber keine Rede sein.

Nach drei Wochen an rauem Granit sieht das Pad noch fast wie neu aus. Der größte Makel ist diese angescheuerte Stelle.

Polyamidfasern sind zudem wasserabweisend und schnelltrocknend. Wasserspritzer perlen ab, ohne einzuziehen. Wasserdicht ist die Bergzeit-Bouldermatte aber nicht, eine entsprechende Versiegelung fehlt. In eine Pfütze würde ich sie deshalb nicht legen. Sollte das Pad dennoch einmal nass werden, kann der Schaumstoff an der Seite zum Trocknen herausgenommen werden. Ein Klettverschluss macht es möglich. Trotz aller Vorteile bringt das Außenmaterial ein Manko mit sich. Weil eine rutschhemmende Beschichtung fehlt, muss man das Pad bei geneigtem Untergrund immer mal wieder neu positionieren. Gleiches gilt auch, wenn es auf anderen Matten liegt.

Cleverer Kletteinsatz für mehr Sicherheit

Echte Bonuspunkte kann das Bergzeit Mad Pad für sein Klettsystem verbuchen. Auf der Oberseite findet sich ein etwa fünf Zentimeter breiter Stoffstreifen, den ich bei der ersten Begutachtung des Pads für einen schmalen Schuhabstreifer gehalten habe. Tatsächlich können hier mehrere Mad Pads zusammengeklettet werden. Dafür findet sich auf der gegenüberliegenden Seite eine Lasche mit dem Klettgegenstück. Besitzt man mehrere Pads der Reihe, kann man diese also stabil verbinden. Das Risiko, beispielsweise mit dem Fuß zwischen den Pads zu landen und sich trotz gut ausgepolsterter Landezone zu verletzen, wird so minimiert. Ein weiteres Problem anderer Pads hat Mad Rock ebenfalls auf diesem Weg gelöst. Landet man bei faltbaren Bouldermatten auf der Falz zwischen den beiden Hälften, kann das Pad im ungünstigsten Fall zusammenklappen. Gebremst wird man dann nicht mehr vom Schaustoff, sondern vom Boden. Deshalb spendiert Mad Rock einen weiteren überlappenden Klettverschluss in der Mitte der Bouldermatte, mit dem sich die beiden Seiten zusammenkletten lassen.

Hier der Klettverschluss auf der Unterseite, der das Zusammenklappen des Pads verhindert. Kleines Manko: Bouldert man auf der Wiese, bleibt immer ein wenig Pflanzenmaterial hängen.

Eine Couch fürs Boulderkino

Nicht lebenswichtig, aber trotzdem nett: An die eher faulen Stunden am Fels hat Mad Rock ebenfalls gedacht und dem Mad Pad eine Couchfunktion spendiert. Die Riemen an der Ober- und Unterseite sind so lang, dass sich das Pad trotz eingehangener Schnallen auf 90 Grad öffnen lässt. Setzt man sich dann hinein, wird die Rückenlehne von den beiden Bändern gehalten. Ganz ohne Stütze im Rücken – zum Beispiel einen schmalen Baum – geht das Ganze aber nur kurze Zeit gut. Lehnt man sich mit vollem Gewicht an, biegt sich das Pad immer weiter durch, bis man mehr liegt als sitzt. Absolut bequem, ohne Stütze der Haltbarkeit des Schaumstoffs aber auf Dauer mit Sicherheit nicht zuträglich.

Günstig – und gut?

Mittlerweile summiert sich meine Nutzungszeit der Bergzeit-Bouldermatte auf etwa 20 Klettertage am Fels. Während dieser hat mich das Mad Pad über weite Strecken überzeugt. Auch wenn es schon nach dem Auspacken ungewohnt weich war und damit erste Skepsis auslöste, hat es sich mein Vertrauen erarbeitet – zumindest wenn es nicht allzu weit nach oben gehen soll. Dass die Dämpfung in der Zwischenzeit nicht nachgelassen hat und trotz des aggressiven Granitkontakts keine großen Abnutzungsspuren zu finden sind, spricht für das 150-Euro-Pad. Für Boulderer, die sich erstmals von der Halle nach draußen wagen wollen, ist es deshalb eine gute Investition. Erst recht, wenn es langfristig nicht nur bei einem Pad bleiben soll. Dann ist die Möglichkeit, die Matten miteinander zu koppeln, tatsächlich Gold wert.

Wer häufiger solo unterwegs ist und gern auch Boulder jenseits der 3,5-Meter-Marke machen möchte, wird mit einem Mad Pad allein jedoch nicht glücklich werden. Dafür ist es für meinen Geschmack einfach zu klein. Als Ergänzungspad für Riesen wie das Mondo ist es hingegen gut geeignet: hoch genug, um keine unnötigen Kanten in der Landezone entstehen zu lassen, und trotzdem leicht, was man beim Zustieg schätzen wird.

Insgesamt ist das Bergzeit Mad Pad also ein grundsolides Pad für einen erschwinglichen Preis. Während es selbst einige spannende Features mitbringt, die andere Pads in dieser Preisklasse nicht haben – wie das Koppelsystem und die dreischichtige Dämpfung – , hätte dem Pad eine Versiegelung gegen Wasser und eine zumindest einseitige Antirutschbeschichtung gut gestanden. Sofern man allerdings nicht genau darauf Wert legt, wird man mit dem Bergzeit Mad Pad seine Freude am Fels haben.