Simond Edge: Kurztest des günstigen Performance-Kletterschuhs

An dieser Stelle sollte eigentlich eine umfangreiche Review des Simond Edge erscheinen. Der Performance-Schuh der Decathlon-Hausmarke wurde vor knapp drei Jahren ins Sortiment des Sporthändlers aufgenommen und ist – oder war – der teuerste aktuelle Schuh von Simond. Gleichzeitig ist er mit starker Vorspannung, asymmetrischem Schnitt und Downturn das Modell, das auch in höheren Schwierigkeitsgraden verlässliche Dienste leisten soll. Dieser Aufgabe wird der Edge meiner Meinung nach gerecht, dennoch sind seine Tage gezählt. Decathlon listet ihn nur noch als Auslaufmodell und bietet ihn im Abverkauf für knapp 60 Euro an – 33 Prozent billiger als bisher.

Vielseitiger Schuh mit Eignung für schwerere Kletterei

Statt eines vollen Testberichts bleibt es deshalb bei einem kürzeren Überblick über die Vor- und Nachteile des Schuhs – und bei einer Kaufempfehlung. Denn Fakt ist einerseits, dass der Edge meiner Meinung nach der beste Schuh von Simond ist und andererseits, dass man beim Kauf zum aktuellen Preis wenig falsch machen kann, sofern der Schuh mit seiner Form zum eigenen Fuß passt.

Klar sollte allerdings sein, dass der etwas aggressivere Schnitt den Schuh nicht zur ersten Wahl für Einsteiger macht. Wer allerdings etwas Erfahrung gesammelt hat und nun einen leistungsorientierteren Klettertreter sucht, sollte dem Edge zumindest eine Chance geben. Für mich ist er in den letzten zwei Jahren zum Allrounder geworden, den ich in fast allen Situationen bedenkenlos einsetzen kann – sei es eine technische Platte auf Mini-Tritten und Volumen oder ein steiler Überhang, in dem kräftig an Tritten gezogen und diffizile Heel-Hooks gelegt werden müssen. Ob am Fels oder an Plastik macht keinen Unterschied.

Gute Materialwahl, durchdachtes Design, solide Verarbeitung

Die Verarbeitung des Simond Edge ist meiner Erfahrung nach solide, wenn auch nicht perfekt. Allerdings handelt es sich um kosmetische Mängel wie überschüssiger Kleber. Die Verklebungen und Nähte halten sicher.

Ermöglicht wird diese Vielseitigkeit durch das Design des Simond Edge. Die Vorspannung sorgt für einen festen Sitz an der Ferse, der Downturn für die notwendige Präzision, um auch kleine Tritte sicher antreten zu können. Durch die Asymmetrie wird die Kraft des Fußes in der Spitze konzentriert, die Verwendung von Vibram XS Grip als Sohlenmaterial stellt guten Halt sicher. Weil Simond keine Zwischensohle aus Plastik verbaut, kommt dazu ein hervorragendes Trittgefühl, was ich gerade bei Reibungstritten zu schätzen weiß. Kauft man den Schuh etwas zu bequem (beziehungsweise groß), macht es das natürlich anstrengender auf kleineren Tritten zu stehen. Deshalb würde ich für einen straffen Sitz plädieren, zumal der Schuh beim Eintragen noch einmal etwas nachgibt.

Halber Hook-Experte

Der große Vorteil gegenüber den Vertika-Modellen, die sich zwischen Einsteiger- und Performance-Klasse positionieren, ist die an der Ferse weiter nach oben gezogene Sohle. Schon bei früheren Modellen wie dem Vuarde Tech war man gezwungen, genau auf dem Übergang zwischen Randgummi und Sohle zu hooken, mit dem Ergebnis, dass sich sowohl beim meinen Vuarde Tech-Slippern wie auch den Vertika-Klettschuhen die Gummierung löste. Für Boulderer eigentlich ein No-Go, weshalb ich den Vertika schlussendlich nur Boulder-Einsteigern und Sportkletterern empfehlen konnte, die seltener aggressive Hooks legen müssen. Nicht so der Edge, der bei mir auch knackigstes Hook-Boulder unbeschadet überstanden hat. Einzig Toe-Hooks sind nicht seine Stärke. Dafür fällt einerseits der Spann zu flach ab und andererseits zieht sich das Schnürsystem zu weit nach vorn. Toe-Hooks sind so nicht nur schwer zu legen, sie können auch für schnellen Verschleiß der Schnürsenkel sorgen. Bei wirklich kniffligen Zehenklemmern mussten deshalb häufiger die Vuarde Tech-Slipper ran.

Trotz Vorspannung, Downturn und asymmetrischem Leisten ist der Simond Edge für mich eine bequeme Angelegenheit. Der Schnitt kommt meiner ägyptischen Fußform entgegen. Größtes Manko ist aus meiner Sicht der abfallende Spann, der es schwerer macht, Toe-Hooks zu halten.

Verfügbarkeit ein kleines Glücksspiel

Für mich war und ist der Simond Edge ein verlässlicher Begleiter, weshalb ich auf ein gleichwertiges oder besseres Nachfolgemodell hoffe. Zumindest auf der Decathlon-Seite ist dazu leider nichts zu finden. Bleibt die Möglichkeit, sich noch ein Paar zu sichern, bevor die Lagerbestände aufgebraucht sind. Um die Verfügbarkeit ist es aktuell mäßig bestellt, die Augen offen zu halten, kann aber nicht schaden. Schon bei früheren Auslaufmodellen kamen schubweise immer wieder Modelle in den Shop und die Läden.