Sněžník: Bouldern an der deutsch-tschechischen Grenze

Knapp 17 Kilometer von der deutsch-tschechischen Grenze entfernt findet sich südlich von Dresden ein kleines Paradies für Boulderer. Am Děčínský Sněžník, dem Hohen Schneeberg, reihen sich Hunderte Sandsteinblöcke auf und bieten einen vielseitigen Spielplatz für Fans der bodennahen Kletterei. Über 1000 Probleme sind hier in den letzten Jahren erschlossen worden – genug, um auch nach Dutzenden Besuchen keine Langeweile aufkommen zu lassen.

Alternative zur Halle und Graniteiern im Harz

Sněžník ist so etwas wie das Hausgebiet vieler Boulderer aus Mittel- und Ostdeutschland. Bieten heimische Gefilde meist nur beißenden Granit (Harz) oder hautfressenden Cordieritgneis (Chemnitztal) und Steinbrüche mit Linien, bei denen am ehesten Locals ins Schwärmen geraten, verbindet der Schneeberg eine tolle Landschaft mit ebenso festem wie vielseitigem Sandstein. Dazu kommt eine unkomplizierte Anreise. Bei Dresden geht es auf die A17 und anschließend über die Grenze. Von der ersten Abfahrt auf tschechischer Seite (Petrovice) sind es noch zehn Minuten Fahrt bis zum Parkplatz am Fuß des Tafelberges.

Weil der der höchste des Elbsandsteingebirges ist und eine großartige Aussicht über die gesamte Region bietet, zieht er neben Klettervolk auch Ausflügler an. An Feiertagen muss man deshalb früh starten, um noch einen Stellplatz für das Auto zu bekommen. Will man mehr als einen Tag im Gebiet verbringen, bietet es sich an, einem der Campingplätze in Tisa oder Ostrov einen Besuch abzustatten. Wer schon abends anreist, ist so morgens eher am Fels (und auf dem Parkplatz).

Entspannte Kletterei an gestürzten Felsnadeln

In Sněžník präsentiert sich das Bouldern von seiner umgänglichen Seite. Während auf der deutschen Seite viele Gebiete gesperrt sind, gibt es am tschechischen Sandstein weniger Regeln. Selbst der Einsatz von Chalk wird zumindest beim Bouldern toleriert, auch wenn er im Naturschutzgebiet eigentlich unerwünscht ist. Ansonsten gelten die Regeln, die in der freien Natur immer eingehalten werden müssen: Lärm sollte man vermeiden, Müll muss mit zurückgenommen, Chalk und Tickmarks entfernt und auf Spaziergänge abseits der Wege so gut es geht verzichtet werden. Letzteres empfiehlt sich auch deshalb, weil im Unterholz zahllose Zecken auf ein Opfer warten.

Der Fels präsentiert sich facettenreich, in jedem Fall aber bombenfest. Geklettert wird manchmal an Sandsteintürmen, die das Plateau des Tafelberges umrunden, zum überwiegenden Teil aber an Blöcken, die den Hang unterhalb der Felsnadeln säumen. Sie sind Bruchstücke von Türmen, die die Zeit nicht überdauert haben und reichen vom knapp zwei Meter hohen Lowball bis zu Highballs mit sechs und mehr Metern Höhe. In vielen Fällen arbeitet man sich an Leisten und Taschen nach oben, reine Sloper-Probleme sind dafür seltener zu finden. Genauso wenig wie Boulder, bei denen ein Mantle die Crux ist. Viele Blöcke haben aufgrund ihrer Entstehung eine kantige Form und machen den Ausstieg so leicht. Im Gegenzug muss man damit leben, dass das Absprunggelände besonders im Sektor Eastside und Respekt zum Teil an ein Geröllfeld erinnert. Ein dickes Pad ist da von Vorteil.

Schon der Ausblick vom Děčínský Sněžník ist vielen einen Besuch wert.

Der Schneeberg hat noch Potenzial für mehr

Was den Grip angeht, lässt Sněžník kaum etwas zu wünschen übrig. Die meisten Felsen bieten eine angenehm raue Oberfläche, an der man auch bei wärmeren Temperaturen gut klettern kann. Selbst Klassiker wie The Best of Direct (7a) und Respekt (7a) sind noch immer weit davon entfernt, abgespeckt zu sein. Wobei gerade der Sektor Best of Direct ein wenig aus dem Rahmen fällt, weil die Blöcke hier mit zahllosen Kieseln gespickt sind und vom Gefühl her ein wenig an Granit erinnern – Handpeeling inklusive.

Dass die Qualität gerade bei viel begangenen Problemen noch immer stimmt, mag auch am jungen Alter des Gebiets liegen. Obwohl das Klettern am Schneeberg eine lange Tradition hat, fanden Boulderer erst um die Jahrtausendwende ihren Weg zu den Blöcken. Und auch wenn die Anzahl der Boulder mittlerweile eine stattliche Summe erreicht haben, werden ständig neue Linien erschlossen. Seit der Veröffentlichung des Führers in 2014 ist ein kompletter Sektor dazugekommen, für den mittlerweile ein Extra-Topo zu haben ist (Eastside). Die Besucherzahlen sind dennoch überschaubar. Während man an Wochenenden und Feiertagen zwar alle paar Meter auf Gleichgesinnte trifft, besteht an freien Blöcken kein Mangel, sodass man den Tag füllen kann, ohne anzustehen. Unter der Woche sind allenfalls nachmittags und abends Locals im Wald des Schneebergs unterwegs, die den Tag beim Bouldern ausklingen lassen. Das schafft eine entspannte Atmosphäre und sorgt dafür, dass es meist nicht bei einem Besuch bleibt.