Kletterzubehör: Welches Chalk darf es sein?

Chalk BoulderbagChalk ist Kletterers Liebling. Sieht man von einigen Gebieten wie dem Elbsandsteingebirge ab, wo das weiße Pulver aus Naturschutz- und kletterethischen Gründen nicht verwendet werden darf, hat sich es sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Standardhilfsmittel im Vertikalsport entwickelt. Richtig eingesetzt trocknet es den Handschweiß, verbessert so die Reibung und erleichtert es folglich, auch kleine Griffe sicher zu halten. Da das immer mehr Menschen wollen, ist mit der größeren Nachfrage auch das Angebot angewachsen. Für Einsteiger ist es so nicht immer leicht, das richtige Produkt zu finden.

Chalk findet man heute in verschiedensten Darreichungsformen. Wer im Fachhandel vorbeischaut, kann sich zwischen Blöcken, losem Chalk in Pulverform mit mehr oder minder kleinen Bruchstücken, reinem Pulver oder dem in Alkohol aufgelösten Liquid Chalk entscheiden. Üblich sind außerdem sogenannte Chalkballs, bei denen das Magnesiumkarbonat in kleinen durchlässigen Säckchen verpackt ist. Diese versprechen einen besonders sparsamen Umgang mit dem Pulver, sind aber aufgrund des höheren Herstellungsaufwands teurer als andere Produkte – abgesehen vom noch kostspieligeren Liquid Chalk.

Vor dem Kauf stellt sich natürlich die Frage, wie das Geld am besten investiert ist. Das wiederum hängt vom geplanten Einsatz ab. Hier ein paar Infos zu den Vor- und Nachteilen der jeweiligen Varianten:

Chalkblöcke


Chalkblöcke sind meist die günstigste Art, sich mit Chalk einzudecken. Das Magnesiumkarbonat wird in praktisch lager- und dosierbaren Würfeln verkauft. Wer seinen Chalkbag neu befüllen möchte, bricht einfach Stück ab, zerkrümelt es ein wenig und kann losklettern. Etwas nachteilig ist, dass das weiße Pulver in seiner festen Variante nicht schon beim ersten Chalken an den Händen kleben bleibt. Entweder man knetet den Beutelinhalt ordentlich durch und reibt die Haut wie mit einem Stück Kreide ein oder muss zumindest in den ersten Kletterminuten häufiger nachchalken.

  • indoor- und outdoortauglich
  • gut dosierbar
  • erstes Chalken etwas weniger effizient

Loses Chalk


Kauft man Chalk in Beuteln, handelt es sich dabei um feines Pulver, das zusätzlich mit Brocken durchsetzt sein kann. Hat man diese Variante im Chalkbag, fällt das Chalken leicht. Einmal hineinzugreifen genügt, um die Hände ordentlich einzupudern. Allerdings bleibt meist mehr an den Fingern hängen, als tatsächlich nötig wäre, weshalb der Überschuss heruntergepustet oder abgeklopft werden muss, will man die Rauheit der Griffe nicht vorschnell ruinieren. Folglich staubt es beim Einsatz von losem Magnesiumkarbonat ordentlich. Abgesehen vom höheren Verbrauch sorgt das auch für eine höhere Belastung der Luft. In geschlossenen Räumen ist das feine Pulver deshalb nicht so gern gesehen.

  • super, um schnell viel Chalk auf die Hände zu bekommen
  • große Streuverluste, deshalb weniger ergiebig
  • nicht indoortauglich, wegen hoher Staubbelastung

Chalkballs


Chalkballs sind in Kletterhallen beliebt, weil sie weniger zum Stauben neigen als loses Chalk – ein Grund, warum manche Hallenbetreiber sogar auf deren Nutzung bestehen. Wer also nahezu ausschließlich indoor unterwegs ist und die eigene sowie die Lungen der Kletterkollegen schonen will, kann über den Kauf dieser Chalkvariante nachdenken. Scheut man die Kosten, bietet sich die Anschaffung eines wiederbefüllbaren Chalksäckchens an, das man dann in Heimarbeit mit frischem Pulver bestückt. Knausrige Zeitgenossen sollen sogar Socken zweckentfremdet haben, um ihre Chalkbälle komplett in Eigenregie herzustellen.

  • indoortauglich
  • kostspieliger als loses Chalk
  • nachchalken dauert etwas länger

Liquid Chalk


Liquid Chalk ist in den meisten Fällen ein Gemisch aus Alkohol und Magnesiumkarbonat, das in kleinen Plastikflaschen verkauft wird. Die Anwendung ist mit Handcreme aus der Tube vergleichbar: Es kommt eine Dosis auf die Hände, wird verrieben und kurz gewartet, bis der Trägerstoff sich verflüchtigt hat. Anschließend bedeckt und trocknet ein gleichmäßiger Chalkfilm die Haut. Durch den Einsatz von Alkohol wird dieser Effekt noch verstärkt, was vor allem im Sommer praktisch ist, wenn man aufgrund der hohen Temperaturen etwas mehr schwitzt. Positiv ist außerdem, dass eine Dosis Liquid Chalk etwas länger auf der Haut bleibt und beim Auftragen keinerlei Verlust zu beklagen ist. Im Gegenzug ist es die teuerste Variante und bei empfindlichen oder offenen Händen nur bedingt empfehlenswert.

  • besonders indoortauglich
  • teuerste Chalkvariante
  • fürs Seilklettern ungeeignet, weil nachchalken quasi nicht möglich ist

Mein persönlicher Favorit: der Mix

Sieht man sich die Vor- und Nachteile an, fällt die Entscheidung sicher um einiges einfacher. Wer ausschließlich in Hallen klettert, sollte beispielsweise eher zum Chalkball greifen, während Kletterer, die zusätzlich zum Bouldern auch am Seil unterwegs sind, mit Liquid Chalk möglicherweise nicht ganz so viel anfangen können. Weil ich sowohl indoor als auch in der freien Natur bouldere, ist mein Favorit eine Kombi aus Block- und Pulverchalk. Um diese zu erhalten, kommen in meinen Chalkbag zuerst mehrere Zentimeter großen Chalkstücken, bevor ich zusätzlich etwas feines Pulver nachfülle. Dadurch genieße ich die Vorteile beider Varianten. Zum einen bekommt man schnell genug des weißen Pulvers auf die Hände, zum anderen staubt es nicht ganz so stark und hält dadurch länger. Reines Pulver habe ich vor einigen Jahren getestet, war damit aber schon aufgrund der Ergiebigkeit nicht sonderlich zufrieden. Glücklicherweise gibt es einige Hersteller wie Metolius oder Simond, die dieses Problem erkannt haben, und ihr Pulverchalk immer auch mit Chalkbrocken anreichern. Das spart dem Käufer etwas Aufwand. Liquid Chalk verwende ich auch als Boulderer nur äußerst selten. Praktisch finde ich die Fläschchen vor allem an heißen Tagen, wenn die Hände ohnehin schon schwitzig sind. Dann kann hin und wieder ein Schuss Flüssigchalk helfen, die Finger halbwegs trocken zu halten.

…und welche Marke macht das Rennen?

Was Marken angeht, bin ich hingegen nicht wählerisch. Zwar gibt es definitiv Qualitätsunterschiede, die sich in einem leicht veränderten Griffgefühl bemerkbar machen, wenn man den Hersteller wechselt, daran gewöhnt man sich aber schnell. Zudem kann Magnesiumkarbonat die Performance an der Wand erwiesenermaßen verbessern, dass man einen Zug nicht schafft, weil man das falsche Chalk verwendet hat, würde ich jedoch nicht als Ausrede gelten lassen. Dafür ist die Zahl der wichtigeren Faktoren für die Kletterleistung dann doch zu groß.