Moonwalk: Boulder-Klassiker im Zillertal zerstört (Update)

Das Zillertal ist um einen Boulderklassiker ärmer. Vor einigen Tagen wurde direkt am Fuß des Leistenproblems Moonwalk (Fb 7a+) ein Feuer angezündet, dessen Hitze zum Herausbrechen einer großen Felsscholle geführt hat. Die begehrte Linie ist damit unwiederbringlich verloren. In der Szene sorgt das verständlicherweise für Wut auf die Täter. Die könnten allerdings mehr als bloßen Vandalismus im Sinn gehabt haben.

(Update: Mittlerweile ist klar, dass es keine Absicht war. Die Erklärung findet sich am Ende des Artikels.)

Streit um rücksichtsloses Verhalten?

Liest man sich durch die Kommentare unter Beiträgen, die den Schaden an Moonwalk dokumentieren, bekommt man den Eindruck, dass hier ein länger schwelender Konflikt eskaliert ist. Scheinbar war das Feuer kein Streich unvernünftiger Jugendlicher, sondern wurde bewusst von den Besitzern des Sundergrunds gelegt (das Gerücht hat sich nicht bestätigt, siehe unten!), auf deren Land sich der Moonwalk-Block befindet. Des Weiteren ist von Keilen die Rede, die bereits vor längerer Zeit in einen Riss im oberen Bereich des Felsens getrieben wurden. Die Verantwortlichen scheinen also ganz bewusst auf die Zerstörung der Linie aus gewesen zu sein.

Erklärungen, warum die Situation derart ausgeartet ist, finden sich in den Kommentaren ebenfalls. Da ist die Rede von Müll, von Lärm, von freilaufenden Hunden, obwohl Vieh auf der Wiese stand, und Gattern, die von Boulderern geöffnet, aber nicht geschlossen wurden. Kurz gesagt: Alles klingt danach, als habe sich ein Teil der Community im Sundergrund von der schlechtesten Seite gezeigt und weder die Bestimmungen des dortigen Kletterkonzepts noch Umgangsformen eingehalten, die in der freien Natur als guter Ton gelten.

Konflikte haben leider Tradition

Sollte dem so sein, wäre das leider kein Einzelfall. In der Vergangenheit hat es immer wieder Probleme zwischen Landbesitzern und Felssportlern gegeben, die am Ende selten gut für letztere ausgegangen sind. Die Folgen reichen von abgeschlagenen Sicherungshaken in Klettertouren über mutwillig zerstörte Probleme – wie aktuell im Sundergrund – bis zu Sperrungen ganzer Gebiete. Man kann deshalb nur immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass ein rücksichtsvoller Umgang mit der Natur und anderen Menschen für die Klettercommunity absolut zentral ist, wenn wir diesen Sport weiter in gewohnter Form ausüben wollen. In Zeiten, in denen Klettern und Bouldern massiven Zulauf erfahren, wie es momentan der Fall ist, ist das sogar noch wichtiger.

Denkt also immer daran: Draußen ist keine Boulderhalle!

Der Bauer des Sundergrunds hat mittlerweile mit einem Vertreter der örtlichen Kletterszene gesprochen und die Geschichte aufgeklärt. Ärger scheint dort derzeit nicht in der Luft zu liegen. Am grundsätzlichen Problem ändert das nichts. Dieser Tage wurde erst eine Zugangsbeschränkung für einen Sektor im Frankenjura bekannt, die mit dem Fehlverhalten von Kletterern begründet wird. Auf der Kaseler Alm, ebenfalls im Zillertal, versprühte der Bauer 2008 Gülle über die Boulder, weil sich nicht an die Regeln gehalten wurde. Der Sektor war daraufhin mehrjährig gesperrt. Ein Gebiet in den Rocklands hat dieses Schicksal kürzlich ebenfalls ereilt. Natürlich ist es erst einmal beruhigend, dass der Sundergrund davor aktuell sicher zu sein scheint. Grund, den Schutz der Gebiete lasch anzugehen, ist das jedoch nicht.